Tuesday, August 28, 2007

"Die Landschaften ändern sich, doch die trostlosen Denkgewohnheiten bleiben gleich."

Die nachfolgenden Zitate stammen aus einem Artikel von dem englischen Autor James Hamilton-Paterson (Das Magazin: Das Ende des Reisens). Er schreibt darüber, wie sich das Reisen in den letzten 30 Jahren verändert hat und zu etwas ausgesprochen Doofem geworden ist.

(Wenn ich Zeit habe, werde ich versuchen, das Zeug auf Französisch zu übersetzten. Es wäre nämlich gut, wenn all meine Lonely-Planet-Fucker-Franzosen-Freunde diese Sätze auch lesen könnten...)


"Wenn einer eine Reise tut, dann kann er nichts mehr erzählen. Alle haben alles schon gesehen (und nichts erlebt dabei). Der Tourismus von heute ist nur noch ein schlechter Trip."

"Ein einleuchtender Unterschied zwischen Reisen und Tourismus dürfte sein, dass der oder die Reisende eigene Wege geht, wogegen die Touristenpfade gründlich ausgetreten sind."

"Auf dem Erdball herumzuzischen ist zu einer alltäglichen und zunehmend standardisierten Erfahrung geworden."

"Tourismus hat nichts mit Exklusivität zu tun. Im Gegenteil: Er will alle mit einbeziehen, ist eine Industrie, die wild entschlossen ist, dich zu umarmen. Er will, dass du im richtigen Hotel absteigst; dass du möglichst viel Geld ausgibst für alberne Souvenirs; dass du Machu Picchu machst oder den Taj Mahal; er will, dass du die Regenwald-Erfahrung machst, die Rätselhafter-Osten- und die Rosarote-Stadt-die-halb-so-alt-wie-die- Zeit-ist-Erfahrung, und es ist ihm ziemlich egal, wenn du auch noch die Von-Räubern-auf-der-Copacabana-ausgenommen- werden-Erfahrung machst. Wenn deine vierzehn Tage um sind, will er, dass du dich verpisst und alles Geld in der Landeswährung dalässt."

"Es ist bemerkenswert – und für Menschen, die Unterschiede lieben, bemerkenswert deprimierend –, wie schnell der Massentourismus überall auf der Welt der Vielfalt den Garaus macht."

"Wohl vermögen gewitzte Reisende den Rucksack- und Massentouristen noch immer zu entgehen, indem sie sich Reiseführer kaufen, damit sie wissen, wo sie nicht hingehen sollen."

"Ich wundere mich schon gar nicht mehr, warum die Leute diesen rastlosen Drang haben, auf der Welt herumzuflitzen zwischen Orten, die auseinanderzuhalten immer schwieriger wird, in den gleichen schrecklichen Hotels abzusteigen, für die auf CNN geworben wird, und das Gleiche zu tun und zu kaufen, was sie zu Hause tun und kaufen. Dieser lemminghafte Drang, ständig von Ort zu nicht wirklich anderem Ort unterwegs zu sein, ist längst zu einem Lebensstil geronnen. Sonne, Meer und Schnee sind zu Waren geworden und Reisende entsprechend zu Klima- und Landschaftskonsumenten, die sich auf gezähmtem Terrain verlustieren und gleichzeitig per Handy mit ihren Kumpeln zu Hause in Schwatzkontakt bleiben können."

"Die Landschaften ändern sich, doch die trostlosen Denkgewohnheiten bleiben sich gleich."

"Es fällt auf, dass Reisebücher und das Medieninteresse heute weniger vom Bedürfnis zu reisen als vom «Guinness-Buch der Rekorde» bestimmt sind: Es geht darum, als Erster den Mekong auf dem Rücken hochzuschwimmen oder als Einziger in der Antarktis mit dem Snowboard unterwegs zu sein. Nimm ein Kamerateam mit, damit die Welt auch etwas davon hat! Verfolge, wie die Landschaften des Planeten glatt gebügelt werden!"

"Zeuge davon zu werden, dass eine Spezies aus genetischen Gründen ihr selbstzerstörerisches Verhalten nicht zu bremsen vermag, ist schmerzlich. Der Schmerz rührt auch von der reuevollen Einsicht her, mitbeteiligt und dazu verurteilt zu sein, mitanzusehen, wie Spezies um Spezies ausgerottet wird, bloss diejenige nicht, die tatsächlich auszusterben verdiente. Stattdessen vermehrt sie sich mit grässlicher Geschwindigkeit."

"Zu den Nachteilen des Älterwerdens gehört, dass uns Dinge und Erfahrungen so vertraut sind, dass wir geradezu zwanghaft deren Schluss vorwegnehmen: Wir wissen im Voraus, worauf die meisten Gespräche, Menschen, Witze und Regimes herauslaufen werden. Und sogar wenn sie sich ein bisschen anders als erwartet erweisen, gehört auch das noch in den Bereich anerkannter Variablen."

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