
Die Royal Enfield Bullet ist das geilste Fahrzeug auf Indiens Strassen. Ein massives Motorrad, mit ziemlich hoffnungslos veraltetem Aussehen und einem Motorengeräusch, das einem von weitem Ehrfurcht und Respekt einflösst und es locker mit einer Harley Davidson aufnehmen könnte.
Die Enfield Bullet ist kein Motorrad für Susis und Sissis. Nicht "SEAT: auto emoción", nicht "Volkswagen: Aus Liebe zum Automobil", nicht "FIAT: driven by passion" und schon gar nicht "Mazda: summm, summm". Sondern: "Royal Enfield: built like a gun, goes like a bullet" (das ist der Slogan der Firma!) Das Logo ist eine Kanone mit der englischen Krone darüber.

Das ist eine richtige Maschine: schwer, hart, laut, hässlich, alt... Nichts für Frauen und Kinder... Kriegsgerät, schon eher! Schweres Geschütz... Schlachterprobt...
Die Royal Enfield Bullet wurde 1932 von der Enfield Cycle Company in England erstmals gebaut. Die Firma stellte bis zu dieser Zeit vor allem Fahrräder, Motoren und Waffen her.
Während dem 2. Weltkrieg baute Royal Enfield Motorräder für die Britische Armee. Darunter auch das Modell "Flying Flea", ein 125cc Motorrad, das zusammen mit den Fallschirmspringertruppen aus dem Flugzeug abgeworfen werden konnte (in einen Stahlrahmen verpackt und mit einem Fallschirm dran...).
4 Jahre nach dem Krieg wurden erstmals Royal Enfield Motorräder in Indien verkauft. 1955 bestellte die Indische Regierung 800 Stück der Enfield Bullet 350cc um die Polizei und die Armee der jungen Nation damit auszurüsten. Das war ein so grosser Auftrag, dass Enfield begann, die Motorräder in Madras zu bauen.
Ab 1962 wurden dann sämtliche Bestandteile der Enfield Bullet in Indien hergestellt. 1970 ging die Britsche Mutterfirma Konkurs. Die Produktion in Indien ging aber weiter und Enfield India wurde ein selbständiges Unternehmen.
Heute sieht die Royal Enfield Bullet noch fast so aus wie vor 50 Jahren und wird in ganz Indien mit Erfolg verkauft. Inzwischen wird es auch als "the motorbike they forgot to stop making" bezeichnet.