Thursday, May 31, 2007

Made in India: Bajaj

Bajaj ist eines der grossen Industriekonglomerate Indiens. Es ist der grösste Motorradhersteller, besitzt Elekrizitätskraftwerke, Eisen- und Stahlfabriken und bietet Versicherungen und Finanzdienstleistungen an. Doch das ist Theorie. In Praxis ist Bajaj eigentlch nur eines: Rickshaw... Auto. Tuctuc. Tempo. Schon nur die Anzahl verschiedener Bezeichnungen zeigt, welch unermessliche Bedeutung die Rickshaws für das indische Leben haben. Die Rickshaws, das sind die Motoren, die Indien am Laufen halten.

Eine schlicht unvorstellbare Anzahl dieser Mobile frest und düst jeden Tag von Morgens früh bis am Abend spät in den Strassen herum. In allen Städten von Indien. Hunderttausende Inder verbringen ihr Leben hinter dem Steuer eines Rickshaws. Verrückt! Und jedes dieser Dinger wurde irgendeinmal in einer Fabrik von Bajaj hergestellt...

Kleines Rickshaw-ABC:

Aussehen: Eigenartig! Nicht gerade ein Glückstreffer in Sachen Fahrzeugdesign. Hat 3 Räder. Unten schwarz angemalt, oben gelb, darüber eine Blache als Dach. Einsteigen muss man auf der linken Seite, die rechte Seite ist normalerweise zu. Doch ein gewisser Charme ist den Rickshaws nicht zu nehmen.

Fahrstil: Die Rickshaw-Fahrer sind berüchtigt für ihren halsbrecherischen Fahrstil. Alle Varianten sind denkbar und verbreitet (siehe auch "Gesprächsstoff"). Wenn es Stau hat, fahren sie immer bis genau 2 cm an das vordere Fahrzeug heran, und wenn sich dieses 50 cm vorwärts bewegt, dann starten sie extra den Motor und fahren auch 50 cm vorwärts.

Gesprächsstoff: Unter Ausländern in Indien bieten die Rickshaws stets willkommenen Gesprächsstoff und haben schon manch einen harzigen Abend oder mühsamen Small-Talk (zumindest annähernd) über die Runden gerettet. Jeder Franzose hat immer seine aufregenden Geschichtli und Heldentaten. Da ist es jeweils eine Freude zuzuhören!

Komplikationen: Folgende Probleme können auftreten: 1. Fahrer weiss nicht wo du hin willst, weil er nur sein Quartier kennt. 2. Fahrer will dich nicht mitnehmen, weil ihm dein Zielort nicht passt (schlechte Position für neue Kunden). 3. Fahrer will dich nicht mitnehmen, weil du ein Ausländer bist und er dich ein Arsch findet (selten). 4. Keine Einigung bzgl. Fahrpreis kommt zustande. 5. Fahrer hält mitten auf der Strasse plötzlich an und verlangt einen höheren Preis, weil du angeblich das Ziel nicht präzis gesagt hast (selten).

Lärm: Typischer Rickshaw Furzton. Mega laut. Kommt aus einem winzig kleinen Auspuff hinten am Fahrzeug.

Meter: Misst die zurückgelegte Distanz und den Fahrpreis. Wird aber oft nicht eingesetzt. Dann muss man vor der Fahrt den Preis verhandeln. Am Abend kostet es oft "meter and a half" und in der Nacht "double meter".

Passagiere: Hocken hinten auf den Bank. Normal ist 1 oder 2. Maximal erlaubt sind 3. Es passen aber auch mehr hinein, und manchmal hat es eine ganze Schar von Indern drin.

Rickshaw-Wallah: Das ist der Fahrer. Meist sprechen sie nur Kannada und verstehen nur wenig English. Manche sind freundlich und lustig, manche sind mühsam. Viele schiggen so einen indischen Schigg und choderen während der Fahrt immer auf die Strasse. Viele fahren bluttfuss.

Steuerung: Das Rickschaw ist gesteuert wie ein Töffli. Es hat 4 Gänge. Zum starten muss man so einen langen Hebel hochschreissen, der auf der Seite am Boden angebracht ist.

Tuning: Werden die Rickshaws getunt? Pimp my Rickshaw? Die Antwort ist: Ja, definitiv. Besonders verbreitet: Religions Tuning. Man kann auf Hindu tunen, auf Moslem und auf Jesus Christus (v.a. in Kerala und Goa, in Bangalore selten). Siehe auch "Verzierung"

Uniform: Die Rickshaw-Wallahs müssen alle eine khakifarbige Uniform tragen.

Verzierung: Hinten am Rickshaw hat es ein Fenster, das oft bemalt ist. Meistens sind darauf machomässige Bollywoodstars abgebildet. Oft auch irgendwelche Hindugötter und so Zeugs. Sehr indermässig! (http://arart.blogspot.com)

Wohnung: Viele Rickshaw-Wallahs übernachten in ihrem Fahrzeug. Die Gründe für dieses Verhalten sind dem Autor nicht bekannt.

Zugabe: Rickshawfahrt durch Bangalore

Monday, May 28, 2007

Bangalore, 23h30

Bangalore gilt als die modernste und fortschrittlichste Stadt Indiens. Das gilt auch im Bezug auf das Nachtleben, wie mir mein Reiseführer bestätigt: "Bangalore's bright, young things have money to spend and nightlife in the city is thriving. A night on the town generally kicks off with a bar crawl around Brigade Road or Church Street, where there are scores of swish pubs, complete with MTV, lasers and thumping sound systems. Drinking alcohol does not have the seedy connotations here as it does elsewhere in India, and you'll even see young Indian women enjoying a beer with their mates."

Das tönt aber vielversprechend. Am Donnerstag lud die NGO "Anchorage" (aktiv im Gebiet "bridging the digital divide", "reducing E-waste" und "E-integration von Frauen und Kastenlosen") zu einer Fete im "Princess", zwecks Fundraising für weitere Projekte. Ein Bier kostete 100 Rupien, ein Teil davon floss in die Kasse der NGO. Oder in anderen Worten: Saufen für einen guten Zweck... Das freut!

"The ever so popular DJ Sasha" war angekündigt: "DJ Sasha, whose name conjures fond memories of unforgettable gigs at various destinations around the country. Sasha is known for his capacity to incorporate diverse genres and styles and to transcend them by infusing his music with pure emotion making him one of Bangalore's hottest DJs."

Also ging es am Donnerstag nach der Büez zu diesem "Princess" und in den Ausgang! Zum schauen, wie diese NGO Leute tagaus und tagein für die E-integration der indischen Frauen krampfen und sich dafür abrackern, dass auch der hinterletzte Kastenlose endlich seine eigene Hotmail Adresse kriegt.

Dort angekommen, stellte ich erst einmal 3 Sachen fest:
1. Dass ich noch nie einer so hohen Konzentration an Europäern begegnet bin hier in Indien.
2. Dass ich noch nie in einer so versnobten Gesellschaft war hier in Indien.
3. Dass ich im "Princess" mit meinen Flip Flop Schlarpen und meinem alten Tshirt wohl ein bisschen "underdressed" bin... Aber macht nichts, dachte ich, diese Zeitgenossen hier haben ja ein Herz für die einfachen und dreckigen Leute.

Kurz zuvor hatte ich den Fahrpreis für das Rikshaw dank einem bösen Blick und ein paar scharfen Worten noch von 50 auf 40 Rupien heruntergehandelt (huren Abzocker immer, diese Rikshawfahrer!!), jetzt schritt ich an die Bar und kaufte die erste Runde Bier für 400 Rupien. Aber ist ja für einen guten Zweck (ok, vorausgesetzt, dass etwas überigbleibt, denn zuerst muss natürlich das Lokal und der DJ Sasha bezahlt werden, und dann bekommen erst einmal all die europäischen Volunteers noch ihr Sackgeld und dann schauen wir dann ob es noch etwas hat für die E-integration...).

Dann heizte DJ Sasha der Masse kräftig ein mit seinen geilen Beats. Neben ihm stand ein rothaariger NGO Gutmensch und rief immer wieder ins Mikrofon: "I want to see you moving!! Hands in the air!! And keep drinking lots of beer... remember: this is for charity!!! Yeahhhh!!!"

Dazu wurden Bilder von Frauen in Internetcafes und dreckigen Buben inmitten von Haufen von Computerschrott an die Wand projiziert, und dazwischen immer wieder der Spruch: "Bangalore is the Silicon Valley of India and only 40 km away people don't even know how to use a computer!". Ich dachte dann: "Wir saufen uns hier einen Siech an, wackeln mit unseren geilen Ärschchen und Tittchen and only 2 km away, people don't even know was sie morgen fressen sollen!".

Das war also die Party. Dann stellte der DJ Sasha plötzlich seine "thumping beats" ab und zwei Polizisten mit Trillerpfeifen kamen daher, trillerten in der Disco herum und schmissen alle raus. Das ist das Gesetz hier in Bangalore. Um 23h30 ist fertig gefestet. Der Stadtverwaltung wurde nämlich dieses unchristliche Treiben der "bright, young things" vor ein paar Jahren ein bisschen zu ungeheuer und seither setzt die Staatsgewalt den Parties um 23h30 ein Ende. Alles raus, alles heimzu, fertig da "beer for charity".

Auf dem Heimweg stürmte ich dann nicht mehr mit dem Rikshawfahrer um den Fahrpreis. Ich mache jetzt meine eigene NGO und zahle in Zukunft dem Rikshawfahrer immer 10 Rupien zuviel. Soll er damit machen, was er will. Mira kann er ja seine Frau damit eine Stunde in ein Internetcafé stecken. Oder sich ein Päckli Zigaretten kaufen... Ist mir doch egal. Aber immerhin brauche ich dann das nächste Mal nicht mehr zum Charity Saufen mit DJ Sasha zu gehen...

Tuesday, May 22, 2007

Inder of the Day: Rajiv Gandhi

Das wichtigste zuerst: Rajiv Gandhi ist im Fall nicht verwandt mit Mahatma Gandhi. Er heisst einfach auch so, das ist aber Zufall.

Rajiv Gandhis Mutter war Indira Gandhi, die von 1966 bis 1984 Präsidentin von Indien war, und sein Grossvater war Jawaharlal Nehru, der erste Premierminister von Indien nach der Unabhänigkeit.

Rajiv Gandhi wurde 1944 in Mumbai geboren. Er ging nach England und studierte an der Universität Cambridge. Dort lernte er seine Frau Sonia kennen, eine Italienerin, welche er 1967 heiratete.

Nach dem Studium wurde Rajiv Gandhi Pilot bei den Indian Airlines. Er wollte, im Gegensatz zu seinem Bruder Sanjay und seiner Mutter, nichts mit Politik zu tun haben. Doch nach dem Tod seines Bruders 1980 wurde er der Nachfolger von Indira Gandhi in der Nehru-Gandhi Dynastie.

1984 wurde Indira Gandhi von zwei ihrer Leibwächter ermordet. Daraufhin wurde Rajiv Gandhi Premierminister. Er änderte den Kurs der indischen Politik, distanzierte sich vom Sozialismus seiner Mutter und den engen Beziehungen zu der UdSSR und verstärkte die Zusammenarbeit mit den USA. Er leistete einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Luftfahrt-, Computer- und Telekommunikationsindustrie in Indien.

Rajiv Gandhi versuchte auch, den Bürgerkrieg in Sri Lanka zu lösen. Er schickte die Indische Armee auf die Insel um gegen die LTTE Rebellen zu kämpfen. Diese Politik machte ihn sowohl in Indien wie in Sri Lanka sehr unpopulär. 1989 verlor er deshalb die Wahlen um die Präsidentschaft.

Er setzte sich aber weiterhin für die Lösung des Konflikts in Sri Lanka ein. Am 21. Mai 1991 wurde er bei einer Veranstaltung in der Nähe von Chennai von einer Selbstmordattentäterin mit einer Bombe getötet.

Gestern jährte sich diese Ermordung zum 16. Mal. Das reicht für einen "Inder of the Day", er geht heute an Rajiv Gandhi. Bravo!

Monday, May 21, 2007

L'ennui de Mathilde (oder: Warum ich dank dem Tsunami Erdbeertorte fressen kann)

Am Samstag war ich an einem Festli. Das Festli fand bei Yohan zuhause statt. Yohan ist Franzose und etwa so alt wie ich. Er forscht hier in Indien an einem Projekt über Böden. Er misst irgendwie, wie die verschiedenen Erdarten verschieden gut Wasser speichern können.

Yohan bewohnt mit seiner französischen Freundin Mathilde zusammen eine riesige 4 Zimmerwohnung, im 5 Stock, mit schöner Aussicht, mit Putzfrau und riesen Balkon und allen Schikanen. Dort wohnen die beiden. Seine Freundin ist hier mit ihm und macht nichts. Gar nichts. Langweilt sich zu Tode. Sie sagt es selbst immer wieder, es sei "un peu embêtant", wenn man nichts zu tun habe.

Doch Mathildes "ennui" hat auch seine guten Seiten. Sie hat jetzt angefangen zu backen. Damit es ihr nicht so langweilig ist. Jedesmal wenn es irgendwo eine "soirée" gibt, bringt Mathilde einen feinen Kuchen mit, den ich dann fressen kann! So wie zuletzt diese Erdbeertorte, welche wirklich ausgezeichnet war.

Sonst hat es Mathilde aber gut. Yohan arbeitet nämlich für eine französische NGO. Sie bezahlen ihm einen "europäischen" Lohn, die Wohnung, die Putzfrau, die Flugzeugtickets und sogar einen privaten Chauffeur, der rund um die Uhr für die beiden da ist.

Jeweils am Morgen führt dieser Chauffeur Yohan zum Institut, damit er über die Böden forschen kann und holt ihn am Abend dort wieder ab. Den Rest des Tages führt er dann Mathilde herum, die Sachen unternimmt, damit es ihr nicht langweilig wird. Am Mittag führt er Mathilde ins Institut und dann isst Mathilde mit Yohan dort. Am Nachmittag führt er sie manchmal ins Schwimmbad, dann geht Mathilde schwimmen. Mathilde sagt ihm dann, er solle unterdessen für sie einkaufen gehen. Dann geht der Chauffeur einkaufen. (Kein Wunder, dass es der Mathilde langweilig ist, sie könnte ja zum Beispiel selber einkaufen gehen, wäre doch noch unterhaltsam...). Eben, dann hat Mathilde fertig geschwommen, und dann führt er sie wieder zurück in das grosse Appartement.

Ich habe mich schon länger gewundert über diese beiden. Warum um himmelsgottswillen leben die in so mega Luxus? Was ist das für eine Mords-NGO, die ihren Mitarbeitern alle diese unnötigen Sachen zahlen kann? Die dermassen ihr Geld verklepfen kann? Und alles nur, für ein bisschen Forschung über Böden?

Gestern wurde ich dann endlich aufgeklärt. Das seien Tsunami Spenden... Die Organisation habe all das Geld nach dem Tsunami bekommen. Und nie und nimmer alles für die Projekte in den Katastrophengebieten gebraucht. Es habe viel zu viel Geld gegeben von den Spenden. Und kaum etwas sei davon gebraucht worden. Jetzt wird das Geld eben so ausgegeben. Für ein tolles Appartment für die Mitarbeiter, für Gratisflüge und für einen Privatchauffeur für Mathilde.

Naja, dann hat es sich ja gelohnt, dass alle Welt nach dem Tsunami tagelang am Fernsehen herumgegrännt hatte über diese armen Cheiben in Bandah Aceh (ah ja, Bandah Aceh, was war das nun schon wieder??) und die Eingeborenen auf den Andamanen und Nikobaren Inseln (genau, also für diese habe ich damals noch kurzerhand 50 Stutz mehr gespendet, das Fernsehen sagte mir damals, die hätten es ja so dringend nötig!).

Aber ist doch egal, eigentlich wollen wir das gar nicht so genau wissen. Sonst kommt plötzlich noch aus, dass mit den Spenden Luxushotels oder Touristenresorts gebaut wurden. Wäre doch auch möglich...

Und wenns schon nichts gebracht hat, immerhin haben hier in Bangalore ein Chauffeur, seine Familie und wohl die halbe Sippe vorerst einmal ausgesorgt. Dank den Tsunamispenden! Und Yohan kann seine Bodenforschung machen, Mathilde kann sich in exotischer Umgebung langweilien und ich kann ab und zu eine feine Erdbeertorte fressen.

In dem Sinn, danke Tsunami! Und einen herzlichen Dank an alle, die damals auf die Post geseckelt sind und der Glückschetti 100 Franken einbezahlt haben (und dann aber schnell wieder ab nach Hause vor den Fernseh, um endlich mit gutem Gewissen den Rest der Sondersendungen über die Versoffenen und die geilen Touristenvideos mit der Riesenwelle anschauen zu können. Remember Schniggi: "Da kommt noch eine grössere... Und die Wellen, die brechen dahinten noch heftig... Alter Schwede... Boh, jetzt bricht die da hinten, heftig... Ach, die hauen auch alle ab, die Thais... Boh, was ist das? Kuck mal da hinten, wie das hochperscht, Schniggi, das Wasser... Was ist das??").

Und einmal mehr sei Dank dieser unsichtbaren Hand, die wunderbarerweise dazu schaut, dass die Güter immer dort landen, wo sie am meisten gebraucht werden. Damit wir, laut These, weiterhin flott "das allgemeine, gesellschaftliche Glück maximieren, indem wir unser persönliches Glück erhöhen".

Tuesday, May 15, 2007

Essen: Idly

In Zimlisberg gab es Brot, Anke und Gonfi mit Münzethé. In San Antonio, cereals with milk, of course. In Ibagué gab es agua de panela mit Reis, Rührei, Speck und wenn möglich ein rechtes Stück carne asada. In Lausanne gab's gar nichts, mit einer Tasse Kaffee dazu.

Schon einmal überlegt, was es in Indien zum Morgenessen gibt?

Idly, zum Beispiel. Das sind diese weissen Plätzchen aus Reisteig. Dazu gibt es eine scharfe Sauce (die rote) und eine nicht so scharfe Sauce (die weisse).

Thursday, May 10, 2007

Freuden der Forschung, Teil 2


Äbsträkt: Es gibt wieder einen Durchbruch zu vermelden! Gestern ist es mir gelungen, das erste SMS mit dem grünen Kommunikationsdings zu versenden. Um 18h40min15sec indischer Zeit wurde das historische SMS auf dem Zielhandy empfangen.

Dieses Programm führte zum Erfolg:

ati
SIEMENS
TC65
REVISION 02.000
OK
at+cmgf=1
OK
at+cmgs=9964098571
> BSC YB, wir singen, wir saufen auf jedem fussballplatz!!
+CMGS: 9
OK

Monday, May 7, 2007

Lakh und Crore

Die Inder haben ihr eigenes Zahlensystem. Zehntausend, Hunderttausend und Millionen kennen sie nicht. Sondern Lakh und Crore. Ein Lakh ist 10'000. Ein Crore ist 10'000'000.

Ich habe mich bisher noch nicht ganz an dieses System gewöhnt. Zwar habe ich die Logik begriffen, aber rein ästhetisch überzeugt es mich nicht wirklich. Es tönt so komisch, finde ich. Und grausig...

Zum Beispiel dieser Abschnitt eines Artikels aus der Zeitschrift "India Today" (Es geht natürlich wieder einmal um Bollywood Filme, gerade nach Cricket das zweitallerwichtigste auf der Welt für die Inder):

"Vinay Pathak is the leading man of a Rs 55-lakh urban comedy, Bheja Fry, which has made Rs 4 crore in its first week of release. Reema Kagti, a 34-year-old director from a tiny Assam village, Borhapjan, has built a buzz around herself with an offbeat Rs 6-crore movie which has made Rs 8 crore. ... Between March 2006 and March 2007, 60 per cent of the 1.4 crore-strong viewers were under 30."

Tönt komisch, nicht? Rs ist überigens die Abkürzung für Rupees, die indische Währung.

Friday, May 4, 2007

Une magnifique journée

Ich habe heute ein Mail bekommen. Es trägt den schönen Titel: "Junior Entreprise HEC, Coupe de Golf". Bitte sehr:


La Junior Entreprise HEC Lausanne a le plaisir de vous annoncer sa 16ème Coupe de Golf Chefs d'Entreprise – Etudiants. Cette année, la compétition se déroulera au Golf Club de Lausanne, club dont la renommée n'est plus à faire, le vendredi 4 mai 2007.

Parallèlement à la compétition, plusieurs activités vous seront proposées tout au long de la journée. Vous aurez aussi l'occasion de participer à un concours «Pitch & Putt», de vous relaxer entre les mains de notre masseuse, ou encore de vous détendre au volant des toutes dernières BMW.

Pour clôturer cette magnifique journée, une remise de prix récompensera les meilleurs joueurs. Ensuite, le restaurant du Golf Club de Lausanne accueillera tous les participants ainsi que leurs invités pour un dîner animé et une dégustation de cigares où chefs d'entreprises et étudiants pourront partager leurs exploits ou maladresses sur le parcours.

Nous espérons pouvoir nous compter parmi nous lors de cet événement, veillez recevoir chères golfeuses, chers golfeurs nos salutations les meilleures.

Les responsables de la compétition de golf

Stephanie Wassmer, Julien Raymond, Samuel Ichoua


Also, ich bin gerade ein bisschen überfordert. In der Not hilft da nur noch das feine Zitat des deutschen Malers Max Liebermann: "Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte."

Wunderbare Welt der Zahlen: Reingewinne von Schweizer Konzernen in Indien

(Angaben in CHF, nach Abzug der Steuern)

Nestlé (schaut dazu, dass die Inder KitKat und Maggi Fertignudeln essen dürfen)

2006: 90.0 Mio.
2005: 88.4 Mio.
2004: 72.0 Mio.
2003: 75.1 Mio.

Novartis (schaut dazu, dass ihr Krebsmedikament Glivec weiterhin patentiert bleibt und dass nur die reichsten Inder Zugang zu Gesundheitsversorgung haben)

2006: 24.6 Mio.
2005: 30.9 Mio.
2004: 18.6 Mio.
2003: 32.5 Mio.

ABB (schaut dazu, dass die indischen Flüsse Staudämme bekommen und dass die Landbevölkerung in die Slums von Mumbai umziehen darf)

2006: 97.3 Mio.
2005: 62.5 Mio.
2004: 44.1 Mio.
2003: 35.4 Mio.

Syngenta (schaut dazu, dass die indischen Bauern Hybridsamen kaufen dürfen und dass sie dank den Syngenta Pestiziden ihre Böden vergiften und kurz darauf ebenfalls nach Mumbai umziehen können)

2005: 22.9 Mio.
2004: 22.1 Mio.
2003: 15.8 Mio.
2002: 12.0 Mio.

Wednesday, May 2, 2007

Hohe Tiere

Am Montag hatten wir hier Besuch aus der Schweiz.

Ausschnitt aus dem Pressecommunique der Bundesverwaltung:

"Eine hochrangige Schweizer Delegation unter der Leitung des Staatssekretärs für Bildung und Forschung, Charles Kleiber, weilt vom 22. April bis 2. Mai 2007 in China und Indien. Zweck der Reise sind Diskussionen über die Umsetzung der Strategie der bilateralen Zusammenarbeit im Bereich Wissenschaft und Technologie.

Auf seiner Reise wird Staatssekretär Kleiber namentlich begleitet von der Direktorin des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie, Ursula Renold, vom Präsidenten des Schweizerischen Nationalfonds, Prof. Dieter Imboden, sowie von den beiden ETH-Präsidenten, Prof. Konrad Osterwalder und Prof. Patrick Aebischer. Die ETH spielen die Rolle des ,Leading Houses" für die Umsetzung der Strategie der bilateralen Zusammenarbeit mit China (ETH Zürich) und mit Indien (EPF Lausanne)."

Diese fröhliche Reisegruppe tauchte also am Montagmittag hier auf, und wollte natürlich die Schweizer Studenten an der Arbeit sehen! Wir räumten unseren Arbeitsplatz gründlich auf, stellten Skype und MSN Messenger ab, und schauten darauf, dass irgend so unverständlicher Computercode auf unseren Bildschirmen sichtbar ist.

Dann kamen sie, sicher etwa 30 Nasen. Es wurden Pfoten geschüttelt und es hiess "Ca c'est Stefan de l'EPFL à Lausanne. Il travaille sur un projet de communication sans fil. Bla bla bla..." Ich musste zum Glück nichts sagen.

Danach waren wir noch zum Mittagessen eingeladen. Mein dicker Freund Aebischer war leider schon nicht mehr dabei, er flog schon aus China zurück in die Schweiz.

Ich wollte dann unbedingt schauen, wie dieser Herr Kleiber isst und was er anhat! Aber es ging beim Vorstellen leider ein bisschen zu schnell für mich, so dass ich gar nicht richtig begriff, welcher jetzt dieser Herr Staatssekretär für Bildung und Forschung genau ist.

Beim Essen sass ich dann bei irgend so Frauen von der DEZA in Delhi, die mir von ihren Entwicklungshilfeprojekten erzählten. Ich war vor allem damit beschäftigt, nicht zu viel zu schwitzen. Mein Deo hatte ein bisschen versagt.

Früh am Morgen in Palolem Beach

06h15: Die Sonne geht hinter den Palmen auf. Die Fischer sortieren ihren Fang und sammeln die Netze zusammen. Zwei kleine Mädchen laufen wortlos dem Strand entlang nach Hause. Eines hat einen Korb voll Fische in der Hand. Die Fischer ziehen zusammen ihr Boot ans Land. Dann verschwinden sie allmählich.

Und so verdrängt mit liebevollem Streiten
Der feuchten Qualme Nacht;
Nun glühen schon des Paradieses Weiten
In überbunter Pracht.

06h45: Sie kommen wortlos aus ihrem Bungalow. Er und sie, beide etwa so alt wie ich. Sie mussten heute früh aufstehen, weil heute ist Abreisetag. Jetzt ist ihr Traumurlaub vorüber. In 15 Minuten fährt der Bus im Dorf hinter dem Strand. Sie trägt einen grossen Rucksack, und er, dieser Arme, hat doch tatsächlich einen Rollkoffer mit dabei. So ein Volltrottel. Jetzt schleipft er diesen Koffer dem Strand entlang, bis zu der kleinen Strasse die ins Dorf führt. Er hetzt seiner Freundin nach, stapft durch den Sand, ackert sich vorwärts, ein Heideneffort mit so einem Koffer.

Wie regt sich bald, ein holdes Licht zu schauen,
Gestaltenreiche Schar,
Und ihr erstaunt, auf den beglückten Auen,
Nun als das erste Paar.

07h00: Jetzt ist das Päärchen verschwunden. Der Rollkoffer hinterliess eine tiefe Schleipfspur quer über den Strand. Wie wenn die Schweizer Olympiamannschaft mit ihrem Viererbob durchgefahren wäre. Wie wenn eine 150jährige Galapagosschildkröte über Nacht zum Eierlegen an Land gekrochen wäre.

Ihr greifet rasch nach umgeformten Erden
Und wirket schöpfrisch jung,
Daß sie belebt und stets belebter werden
Im abgemeßnen Schwung.

07h15: Jetzt tut sich etwas im Bungalow hinter mir. Die Touristin sitzt auf der Terrasse davor und macht Yoga. Sitzt da, im Yogasitz, Hände auf den Knien, am Meditieren. Bewegt sich nicht. Die Augen hat sie zu. Das ist gut, dann kann ich ihr zuschauen. Sitzt einfach vor ihrer Hütte und macht Yoga. Macht wohl hurti die 5 Tibeter vor dem Morgenessen...

Nun alles sich mit göttlichem Erkühnen
Zu übertreffen strebt;
Das Wasser will, das unfruchtbare, grünen,
Und jedes Stäubchen lebt.

07h30: Ein Tourist ist am joggen. Ich sah ihn schon von weitem durch den Sand stapfen. Jetzt ist er schon fast bei mir. Er trägt Shorts, Socken und Turnschuhe. Aber kein T-Shirt. Er hat ein Tatoo auf dem Oberarm, aber ich kann nicht erkennen was es ist. Ein undefinierbarer Fleck. Komisches Tatoo. Sein Oberkörper ist ganz glänzig, er schwitzt.

Dann treibt ihr euch, gewaltige Kometen,
Ins Weit und Weitr hinan;
Das Labyrinth der Sonnen und Planeten
Durchschneidet eure Bahn.

07h45: Jetzt kommt der Jogger zurück. Aber er rennt nicht mehr, jetzt spaziert er. Genug Sport gemacht für heute. Nicht weit weg von mir spielt ein Mann alleine Frisbee. Er wirft es steil in die Luft und versucht es wieder einzufangen. Dazu raucht er seine Morgenzigarette. Er sieht aus wie ein Engländer. Er ist ziemlich dick, hat eine Halbglatze und mehrere Tatoos auf dem Oberkörper. Ah, jetzt kommt sein Kollege und sie spielen zusammen Frisbee.

Und kreisend führt ihr in bewegten Lüften
Den wandelbaren Flor
Und schreibt dem Stein in allen seinen Grüften
Die festen Formen vor.

08h30: Eine Gruppe Deutscher kommt verschlafen auf ihrem Bungalow. Sie laufen zur Strandbar, unweit davon. Sie setzen sich hin und bestellen ihr Morgenessen. Ein neuer Tag beginnt in Palolem Beach.

Und bald verlischt ein unbegrenztes Streben
Im selgen Wechselblick.
Und so empfangt mit Dank das schönste Leben
Vom All ins All zurück.


Mit einem herzlichen Dank an Johann Wolfgang von Goethe.

Tuesday, May 1, 2007

Boomtown Bangalore

Für alle die dem Weltschen mächtig sind: Letzten Donnerstag hatte es einen langen Artikel in der Zeitung "Le Monde" über Bangalore und über den einzigartigen IT-Boom.

Heute haben Firmen wie Samsung, Hewlett Packard, Microsoft, Intel und Cisco grosse Forschungszentren in Bangalore. Dazu kommen jenste indische Softwarefirmen und unzählige Callcenter, welche rund um die Uhr Anrufe auf den USA und aus England beantworten.

Gleichzeitig aber hat sich die Bevölkerung der Stadt in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt und Bangalore ist heute nicht nur Boomtown, sondern vor allem: ein riesengrosses Chaos.

Artikel: Boomtown Bangalore, Le Monde, 25.4.2007

Warten auf Goa

Eine Landstrasse. Ein Baum.

Abend.

Ich, im Nachtbus sitzend, versuche zu schlafen. Ich schliesse beide Augen.

Ich gebe es auf, müde, warte, versuche es wieder.

Wie zuvor.

"Da kann man nichts machen."

"Da draussen hat es Palmen. Eigentlich sieht es fast aus wie in Kolumbien. Der Bus frest einfach so durch. Mit dem Velo durchfahren wäre schön. Dann würden wir jetzt hier Mittag machen. Und Salat essen. Und Chrigu würde die Rübli verschneiden. Mit seinem Tool."

"Jetzt hat der Inder da vorne doch einfach seine Petflasche zum Fenster hinausgeworfen. Huren Umweltverschmutzer-Arsch. Ich fand den schon beim einsteigen blöd. Arrogante Sau. Huren Snob. Jetzt findet er sich besonders geil. Dabei stand doch im Reiseführer, man soll nicht Petflaschen kaufen. Die verschmutzen dann das Land. Und Abfallentsorgung gibt es hier ja wirklich nicht. Aber wenn die Inder selber am schlimmsten sind. Mann, der hat wirklich nichts begriffen. Das ist schon tragisch. Dabei ist er noch schön. Wenn ich eine Frau wäre, würde der mir jetzt gefallen. Mann, der ist richtig unsympatisch. Mann, der Siech nervt mich. Fuck you, huren Vixer."

"Geil, da draussen sieht man den Grossen Wagen. Cool. Nur einen Stern davon sieht man fast nicht. Kann man den Grossen Wagen jetzt in der Schweiz wohl auch sehen? Das werde ich nie richtig begreifen, das mit den Sternen. Und mit dem Himmel. Wie sich das genau dreht, und bewegt. Und eh, ich kenne einfach nur dieses einzige Sternzeichen - der Grosse Wagen. Mann, so schlecht. Ich wollte das damals ja lernen. Bei den Aarepiraten. Aber ich ging dann nie hin. Aber, es ist auch das allereinzigste Sternzeichen, wo man auch sieht, was es ist. Ein Wagen. Die anderen, Mann, das ist ja irgend ein Scheiss. Das bringt gar nichts so. Aber der Grosse Wagen, an dem hab ich Freude. Den kennt man immer. Obwohl, ich glaube, eigentlich sagt man gar nicht Grosser Wagen, sondern Grosser Bär. Ich glaube, nur in der Schweiz sagt man Grosser Wagen. Im Deutschen aussen sagen sie sicher Grosser Bär."

"Jetzt haben sie also den Vardanyan verhaftet. Was der wohl gemacht hat? Der hat ja früher noch bei YB gespielt. Der, und ein anderer. Der aus dem gleichen Land war. Ich glaub Armenien. Oder Aserbeidschan. Wie hiess der schon wieder? Auch so etwas. Moldovan? Nein, das war der vom Risiko. Mann, das war lustig, das damals im Risiko. Subramanyan? Nein, das war das Tamilenkind in der Sek in Rapperswil. Damals war YB noch in der NLB und noch im alten Wankdorf. Und Hänzi spielte auch noch. YB war huren geil damals."

"Uyuyuy, hijueputa marica, dieser Chauffeur fährt huren kriminell. Das ist jedesmal grad wie wenn der Bus demnächst umkippen würde. Wenn das nur gut geht. Wenn der jetzt da in den Graben kracht. Und der Bus würde sich überschlagen. Ich müsste einfach da zum Fenster hinausklettern, bevor alles verbrennen würde. Aber das könnte ich eh nicht mehr. Ich wäre eh eingeklemmt. Und schon von Anfang an tot. Tot. Hier in Indien, irgendwo am Strassenrand. Genau da zu krepieren, das wäre Scheisse. Aber man kann ja immer umkommen. Und dann müsste mein Kadaver in die Schweiz transportiert werden. Das verstehe ich irgendwie nicht, warum man immer unbedingt die Toten ins Heimatland bringen muss. Die US-Marines machen das aber auch so. Die lassen nie die Toten auf dem Schlachtfeld zurück. Die nehmen alle mit nach Hause. Aber vielleicht ist das auch nur Propaganda. Vielleicht."

"Ah, da draussen hat es ein Dorf. Schön. Viel mehr Platz als in Bangalore. Friedlich. Aber es hat fast keine Leute. Es ist noch nicht so spät. Sind wohl alle schon am Schlafen. Machen die wohl hier auch Kama Sutra? In diesen Hütten. Das kommt doch aus Indien. In der Tertia hab ich mal einen Film gesehen, der hiess "Kama Sutra". Genau, im Kino. Das war richtig ein heimlifeiss Pörnu. Mann, war das doof. Mit dem Reto, und dem Lexu, und d Florine. Und dr Christoph Studer. Und noch andere von der Klasse. So über junge Inderinnen, die dann irgendwie Kama Sutra lernen müssen. Und so huren indische Musik. Genau. Und jedesmal wenn sie ein bisschen Kama Sutra machten, bekam ich einen Steifen. Und am Schluss schneiden sich die Frauen die Arme auf und bringen sich um. Mann, so ein Scheiss. Futzdumm. Genau, das ist das richtige Wort. Das ist ein Rögu Bächler Wort. Der hat mir ja Mal im Training gesagt: "Futzdumm, Stefan. Futzdumm. Futzdumm." Weil ich nicht direkt über die blaue Linie gefahren bin mit dem Puck, und die anderen im Offside standen danach. Hmmm. Mann, der Gymer, das war nicht lustig. Solche Filme anschauen. Und nachher redeten sie über die Saris und wie es nicht leicht sei für die Frauen dort. Einmal ging ich auch nach Neuenegg. Zum Lexu und zu dr Florine. Dann wollten sie auf einmal mit Strassenkreiden malen. Das war als wir gegen Basel Play-off hatten. Und mit dem Car nach Basel gingen. Mit dem Guido Pfosi. Und der Reto Schürch. Der hat dann lange in Lausanne gespielt. Das war damals in der Tertia. Und am Tag danach malten wir mit den Strassenkreiden."

"Jetzt gehe ich also nach Goa. Mann, ich hatte gedacht, Goa ist auf der anderen Seite von Indien. Aber das stimmt gar nicht. Egal. Hat es dort wo wir hingehen wohl auch Goa Parties? Ich war ja mal an einer Goa Party. In Bern. Dort im Wald, hinter dem Gäbelbach. Und es hatte so fluoreszierendes Zeug überall. Und die Leute hatten auch solche Kaugummis. Aber es war trotzdem langweilig. Wir sind dann nicht lange geblieben. Aber der Yänne hat ja dann auch Vollmondparties gemacht. Nachdem er in Indien war. Weil sie das in Goa auch machen. Vollmondparty. War der Yänne eigentlich auch in Goa? Einmal machte er Vollmondparty im Bremgartenwald. Und einmal auf dem Gurten. Das war noch lustig, auf dem Gurten. Ich fuhr damals mit dem Rennvelo auf den Gurten. Dann spielten wir fast den ganzen Abend UNO. Ich hatte mir ein neues UNO gekauft. Warum hatte ich mir damals bloss ein UNO gekauft? Weiss es nicht mehr. Bis so ein besoffener Stammtischler seine Karten in Feuer warf. Und dann verbrannten sie alle Karten. War schade um das UNO, aber eigentlich fand ich es auch noch lustig. Dann ging ich heim. Der Chrigu kam mich beim Gurtenbähnli abholen. Ich war damals so unheimlich froh darüber. Ah ja, weil ich einen platten Reifen hatte. Ja, weil ich besoffen war und neben die Strasse hinaus fuhr, in einen Acker rein und es mich voll auf die Fresse gehauen hatte. Zum Glück hatte ich damals mit dem Brütsch abgemacht. Ich wäre niemals nach Hause gekommen. Ich hätte vom Gurten heimlaufen müssen. Manchmal hat man schon huren Schwein."

Was soll ich jetzt machen?

Ich weiss nicht.

Schlafen.

Ich kann nicht.

Warum nicht?

Ich warte auf Goa.

Morgen kommt Goa.