06h15: Die Sonne geht hinter den Palmen auf. Die Fischer sortieren ihren Fang und sammeln die Netze zusammen. Zwei kleine Mädchen laufen wortlos dem Strand entlang nach Hause. Eines hat einen Korb voll Fische in der Hand. Die Fischer ziehen zusammen ihr Boot ans Land. Dann verschwinden sie allmählich.
Und so verdrängt mit liebevollem Streiten
Der feuchten Qualme Nacht;
Nun glühen schon des Paradieses Weiten
In überbunter Pracht.
06h45: Sie kommen wortlos aus ihrem Bungalow. Er und sie, beide etwa so alt wie ich. Sie mussten heute früh aufstehen, weil heute ist Abreisetag. Jetzt ist ihr Traumurlaub vorüber. In 15 Minuten fährt der Bus im Dorf hinter dem Strand. Sie trägt einen grossen Rucksack, und er, dieser Arme, hat doch tatsächlich einen Rollkoffer mit dabei. So ein Volltrottel. Jetzt schleipft er diesen Koffer dem Strand entlang, bis zu der kleinen Strasse die ins Dorf führt. Er hetzt seiner Freundin nach, stapft durch den Sand, ackert sich vorwärts, ein Heideneffort mit so einem Koffer.
Wie regt sich bald, ein holdes Licht zu schauen,
Gestaltenreiche Schar,
Und ihr erstaunt, auf den beglückten Auen,
Nun als das erste Paar.
07h00: Jetzt ist das Päärchen verschwunden. Der Rollkoffer hinterliess eine tiefe Schleipfspur quer über den Strand. Wie wenn die Schweizer Olympiamannschaft mit ihrem Viererbob durchgefahren wäre. Wie wenn eine 150jährige Galapagosschildkröte über Nacht zum Eierlegen an Land gekrochen wäre.
Ihr greifet rasch nach umgeformten Erden
Und wirket schöpfrisch jung,
Daß sie belebt und stets belebter werden
Im abgemeßnen Schwung.
07h15: Jetzt tut sich etwas im Bungalow hinter mir. Die Touristin sitzt auf der Terrasse davor und macht Yoga. Sitzt da, im Yogasitz, Hände auf den Knien, am Meditieren. Bewegt sich nicht. Die Augen hat sie zu. Das ist gut, dann kann ich ihr zuschauen. Sitzt einfach vor ihrer Hütte und macht Yoga. Macht wohl hurti die 5 Tibeter vor dem Morgenessen...
Nun alles sich mit göttlichem Erkühnen
Zu übertreffen strebt;
Das Wasser will, das unfruchtbare, grünen,
Und jedes Stäubchen lebt.
07h30: Ein Tourist ist am joggen. Ich sah ihn schon von weitem durch den Sand stapfen. Jetzt ist er schon fast bei mir. Er trägt Shorts, Socken und Turnschuhe. Aber kein T-Shirt. Er hat ein Tatoo auf dem Oberarm, aber ich kann nicht erkennen was es ist. Ein undefinierbarer Fleck. Komisches Tatoo. Sein Oberkörper ist ganz glänzig, er schwitzt.
Dann treibt ihr euch, gewaltige Kometen,
Ins Weit und Weitr hinan;
Das Labyrinth der Sonnen und Planeten
Durchschneidet eure Bahn.
07h45: Jetzt kommt der Jogger zurück. Aber er rennt nicht mehr, jetzt spaziert er. Genug Sport gemacht für heute. Nicht weit weg von mir spielt ein Mann alleine Frisbee. Er wirft es steil in die Luft und versucht es wieder einzufangen. Dazu raucht er seine Morgenzigarette. Er sieht aus wie ein Engländer. Er ist ziemlich dick, hat eine Halbglatze und mehrere Tatoos auf dem Oberkörper. Ah, jetzt kommt sein Kollege und sie spielen zusammen Frisbee.
Und kreisend führt ihr in bewegten Lüften
Den wandelbaren Flor
Und schreibt dem Stein in allen seinen Grüften
Die festen Formen vor.
08h30: Eine Gruppe Deutscher kommt verschlafen auf ihrem Bungalow. Sie laufen zur Strandbar, unweit davon. Sie setzen sich hin und bestellen ihr Morgenessen. Ein neuer Tag beginnt in Palolem Beach.
Und bald verlischt ein unbegrenztes Streben
Im selgen Wechselblick.
Und so empfangt mit Dank das schönste Leben
Vom All ins All zurück.
Mit einem herzlichen Dank an Johann Wolfgang von Goethe.
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