Bajaj ist eines der grossen Industriekonglomerate Indiens. Es ist der grösste Motorradhersteller, besitzt Elekrizitätskraftwerke, Eisen- und Stahlfabriken und bietet Versicherungen und Finanzdienstleistungen an. Doch das ist Theorie. In Praxis ist Bajaj eigentlch nur eines: Rickshaw... Auto. Tuctuc. Tempo. Schon nur die Anzahl verschiedener Bezeichnungen zeigt, welch unermessliche Bedeutung die Rickshaws für das indische Leben haben. Die Rickshaws, das sind die Motoren, die Indien am Laufen halten.
Eine schlicht unvorstellbare Anzahl dieser Mobile frest und düst jeden Tag von Morgens früh bis am Abend spät in den Strassen herum. In allen Städten von Indien. Hunderttausende Inder verbringen ihr Leben hinter dem Steuer eines Rickshaws. Verrückt! Und jedes dieser Dinger wurde irgendeinmal in einer Fabrik von Bajaj hergestellt... Kleines Rickshaw-ABC:
Aussehen: Eigenartig! Nicht gerade ein Glückstreffer in Sachen Fahrzeugdesign. Hat 3 Räder. Unten schwarz angemalt, oben gelb, darüber eine Blache als Dach. Einsteigen muss man auf der linken Seite, die rechte Seite ist normalerweise zu. Doch ein gewisser Charme ist den Rickshaws nicht zu nehmen.
Fahrstil: Die Rickshaw-Fahrer sind berüchtigt für ihren halsbrecherischen Fahrstil. Alle Varianten sind denkbar und verbreitet (siehe auch "Gesprächsstoff"). Wenn es Stau hat, fahren sie immer bis genau 2 cm an das vordere Fahrzeug heran, und wenn sich dieses 50 cm vorwärts bewegt, dann starten sie extra den Motor und fahren auch 50 cm vorwärts.
Gesprächsstoff: Unter Ausländern in Indien bieten die Rickshaws stets willkommenen Gesprächsstoff und haben schon manch einen harzigen Abend oder mühsamen Small-Talk (zumindest annähernd) über die Runden gerettet. Jeder Franzose hat immer seine aufregenden Geschichtli und Heldentaten. Da ist es jeweils eine Freude zuzuhören!
Komplikationen: Folgende Probleme können auftreten: 1. Fahrer weiss nicht wo du hin willst, weil er nur sein Quartier kennt. 2. Fahrer will dich nicht mitnehmen, weil ihm dein Zielort nicht passt (schlechte Position für neue Kunden). 3. Fahrer will dich nicht mitnehmen, weil du ein Ausländer bist und er dich ein Arsch findet (selten). 4. Keine Einigung bzgl. Fahrpreis kommt zustande. 5. Fahrer hält mitten auf der Strasse plötzlich an und verlangt einen höheren Preis, weil du angeblich das Ziel nicht präzis gesagt hast (selten).
Lärm: Typischer Rickshaw Furzton. Mega laut. Kommt aus einem winzig kleinen Auspuff hinten am Fahrzeug.
Meter: Misst die zurückgelegte Distanz und den Fahrpreis. Wird aber oft nicht eingesetzt. Dann muss man vor der Fahrt den Preis verhandeln. Am Abend kostet es oft "meter and a half" und in der Nacht "double meter".
Passagiere: Hocken hinten auf den Bank. Normal ist 1 oder 2. Maximal erlaubt sind 3. Es passen aber auch mehr hinein, und manchmal hat es eine ganze Schar von Indern drin.
Rickshaw-Wallah: Das ist der Fahrer. Meist sprechen sie nur Kannada und verstehen nur wenig English. Manche sind freundlich und lustig, manche sind mühsam. Viele schiggen so einen indischen Schigg und choderen während der Fahrt immer auf die Strasse. Viele fahren bluttfuss.
Steuerung: Das Rickschaw ist gesteuert wie ein Töffli. Es hat 4 Gänge. Zum starten muss man so einen langen Hebel hochschreissen, der auf der Seite am Boden angebracht ist.
Tuning: Werden die Rickshaws getunt? Pimp my Rickshaw? Die Antwort ist: Ja, definitiv. Besonders verbreitet: Religions Tuning. Man kann auf Hindu tunen, auf Moslem und auf Jesus Christus (v.a. in Kerala und Goa, in Bangalore selten). Siehe auch "Verzierung"
Uniform: Die Rickshaw-Wallahs müssen alle eine khakifarbige Uniform tragen.
Verzierung: Hinten am Rickshaw hat es ein Fenster, das oft bemalt ist. Meistens sind darauf machomässige Bollywoodstars abgebildet. Oft auch irgendwelche Hindugötter und so Zeugs. Sehr indermässig! (http://arart.blogspot.com)
Wohnung: Viele Rickshaw-Wallahs übernachten in ihrem Fahrzeug. Die Gründe für dieses Verhalten sind dem Autor nicht bekannt.
Zugabe: Rickshawfahrt durch Bangalore
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