Bangalore gilt als die modernste und fortschrittlichste Stadt Indiens. Das gilt auch im Bezug auf das Nachtleben, wie mir mein Reiseführer bestätigt: "Bangalore's bright, young things have money to spend and nightlife in the city is thriving. A night on the town generally kicks off with a bar crawl around Brigade Road or Church Street, where there are scores of swish pubs, complete with MTV, lasers and thumping sound systems. Drinking alcohol does not have the seedy connotations here as it does elsewhere in India, and you'll even see young Indian women enjoying a beer with their mates."
Das tönt aber vielversprechend. Am Donnerstag lud die NGO "Anchorage" (aktiv im Gebiet "bridging the digital divide", "reducing E-waste" und "E-integration von Frauen und Kastenlosen") zu einer Fete im "Princess", zwecks Fundraising für weitere Projekte. Ein Bier kostete 100 Rupien, ein Teil davon floss in die Kasse der NGO. Oder in anderen Worten: Saufen für einen guten Zweck... Das freut!
"The ever so popular DJ Sasha" war angekündigt: "DJ Sasha, whose name conjures fond memories of unforgettable gigs at various destinations around the country. Sasha is known for his capacity to incorporate diverse genres and styles and to transcend them by infusing his music with pure emotion making him one of Bangalore's hottest DJs."
Also ging es am Donnerstag nach der Büez zu diesem "Princess" und in den Ausgang! Zum schauen, wie diese NGO Leute tagaus und tagein für die E-integration der indischen Frauen krampfen und sich dafür abrackern, dass auch der hinterletzte Kastenlose endlich seine eigene Hotmail Adresse kriegt.
Dort angekommen, stellte ich erst einmal 3 Sachen fest:
1. Dass ich noch nie einer so hohen Konzentration an Europäern begegnet bin hier in Indien.
2. Dass ich noch nie in einer so versnobten Gesellschaft war hier in Indien.
3. Dass ich im "Princess" mit meinen Flip Flop Schlarpen und meinem alten Tshirt wohl ein bisschen "underdressed" bin... Aber macht nichts, dachte ich, diese Zeitgenossen hier haben ja ein Herz für die einfachen und dreckigen Leute.
Kurz zuvor hatte ich den Fahrpreis für das Rikshaw dank einem bösen Blick und ein paar scharfen Worten noch von 50 auf 40 Rupien heruntergehandelt (huren Abzocker immer, diese Rikshawfahrer!!), jetzt schritt ich an die Bar und kaufte die erste Runde Bier für 400 Rupien. Aber ist ja für einen guten Zweck (ok, vorausgesetzt, dass etwas überigbleibt, denn zuerst muss natürlich das Lokal und der DJ Sasha bezahlt werden, und dann bekommen erst einmal all die europäischen Volunteers noch ihr Sackgeld und dann schauen wir dann ob es noch etwas hat für die E-integration...).
Dann heizte DJ Sasha der Masse kräftig ein mit seinen geilen Beats. Neben ihm stand ein rothaariger NGO Gutmensch und rief immer wieder ins Mikrofon: "I want to see you moving!! Hands in the air!! And keep drinking lots of beer... remember: this is for charity!!! Yeahhhh!!!"
Dazu wurden Bilder von Frauen in Internetcafes und dreckigen Buben inmitten von Haufen von Computerschrott an die Wand projiziert, und dazwischen immer wieder der Spruch: "Bangalore is the Silicon Valley of India and only 40 km away people don't even know how to use a computer!". Ich dachte dann: "Wir saufen uns hier einen Siech an, wackeln mit unseren geilen Ärschchen und Tittchen and only 2 km away, people don't even know was sie morgen fressen sollen!".
Das war also die Party. Dann stellte der DJ Sasha plötzlich seine "thumping beats" ab und zwei Polizisten mit Trillerpfeifen kamen daher, trillerten in der Disco herum und schmissen alle raus. Das ist das Gesetz hier in Bangalore. Um 23h30 ist fertig gefestet. Der Stadtverwaltung wurde nämlich dieses unchristliche Treiben der "bright, young things" vor ein paar Jahren ein bisschen zu ungeheuer und seither setzt die Staatsgewalt den Parties um 23h30 ein Ende. Alles raus, alles heimzu, fertig da "beer for charity".
Auf dem Heimweg stürmte ich dann nicht mehr mit dem Rikshawfahrer um den Fahrpreis. Ich mache jetzt meine eigene NGO und zahle in Zukunft dem Rikshawfahrer immer 10 Rupien zuviel. Soll er damit machen, was er will. Mira kann er ja seine Frau damit eine Stunde in ein Internetcafé stecken. Oder sich ein Päckli Zigaretten kaufen... Ist mir doch egal. Aber immerhin brauche ich dann das nächste Mal nicht mehr zum Charity Saufen mit DJ Sasha zu gehen...
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